Gay Jugendbuch Liebesroman Zeitgenössisch

So beschissen schön ist nur das Leben von Shaun David Hutchinson (Werbung: Rezensionsexemplar)

Dieses Jugendbuch ist eine Geschichte voller Schmerz, Schuld und Liebe. Es erzählt von Drew, der seine verstorbene Familie nicht loslassen kann und seitdem in einem Krankenhaus wohnt und von Rusty, der nicht nur von außen sondern auch von innen brennt.

Titel: So beschissen schön ist nur das Leben
Autor: Shaun David Hutchinson
Genre: Jugendbuch
Verlag: Arena
Datum: 2. Februar 2018
Themen: Krankenhaus, Krebs, Tod, Schuld

 

Nachdem ich „We are the ants*“ von Shaun David Hutchinson verschlungen habe, freute ich mich sehr darauf, „So beschissen schön ist nur das Leben“ zu lesen.

In diesem Buch geht es um Drew der seit dem Tod seiner Eltern und seiner kleinen Schwester in dem Krankenhaus lebt, in dem sie gestorben sind. Er führt ein geheimes Leben, schläft in einem unfertigen Teil des Gebäudes und arbeitet schwarz in der Cafeteria. Begnadet mit einem unglaublichen Talent zum Zeichnen arbeitet er an seinem ersten Comic „Patient F“ und verbringt die Tage damit, seine tot kranken Freunde Trevor und Lexi zu besuchen, den Pflegern und Ärzten bei der Arbeit unter die Arme zu greifen oder sich vor dem Tod zu verstecken. Sein Leben ändert sich, als Rusty eingeliefert wird, der nach einer homophoben Attacke nur knapp dem Feuertod entkommen ist.

Als jemand der gerne traurige Bücher liest und sich eine ganze Zeit nur nach Bücher wie „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ umgesehen hat, fühlte ich mich bei dem Thema und der Grundstimmung direkt Zuhause.

Andrew beschreibt eine sehr traurige und gleichermaßen spannende Realität. Sich vor der Welt und vor alledem der Sozialpädagogin zu verstecken, die er das ganze Buch über als den Tod beschreibt, ist für ihn Rettung und Strafe zugleich. Schnell wird einem klar, dass er seit dem Unfall, bei dem seine Familie gestorben ist, eine schwere Schuld trägt, die er in seinem Comic „Patient F“ versucht verarbeitet.

Lexi und Tevor sind Drews einzige Freunde, sie haben Krebs, sind heimlich ineinander verliebt und bringen Humor und jugendliche Leichtigkeit in die Geschichte. Sie spenden Trost, sind aber gleichzeitig eine Erinnerung daran, dass das Leben im nächsten Augenblick vorbei sein kann, vor alledem Trevor bewegt sich mit der Schwere seiner Krankheit auf einem schalen Grad. Drew ist davon besessen, sie von dem „Tod“ fernzuhalten und hat es sich zur persönlichen Aufgabe gemacht, sie auf seine Art zu beschützen.

Wenn Shaun David Hutchinson eine Stärke hat, dann ist das sein Schreibstil. Einfach und doch sehr lebendig schafft er es, Drews skurrile und harte Sicht auf die Welt zu porträtieren. Vor alledem die ungemütliche und ehrliche Konfrontation mit dem Sterben ist manchmal so nah, dass man gar nicht hinsehen will.

Mit Rusty kommt eine neue Variable in Drews leben. Er kann sich Rusty gegenüber öffnen, liest ihm regelmäßig aus Büchern vor und ist wie bei Lexi und Trevor davon überzeugt, dass er den Tod von ihm fernalten muss.

Alles in allem ist es dem Autor sehr gut gelungen, ein Bild von Schuld und Trauma zu zeigen, dass ich selten so gesehen habe. Vor alledem die irrationale Angst vor der Pädagogin, die Andrew durchgehend als den wahrhaften Tod beschreibt, ist eine Metapher, die mir sehr gut gefallen hat.

Leider hat das Buch eine sehr große Schwachstelle und das ist die Geschichte. Es kann gut sein, dass ich bereits zu viele Bücher in diesem Genre gelesen habe, aber die Hinweise auf große Knackpunkte waren für mich zu offensichtlich, ich habe mich streckenweise gelangweilt. Auch erschienen mir die Motive zu einfach: Drew, der wie Besessen davon ist, seine Freunde vor dem Tod zu bewahren, weil er sich seit dem Tod seiner Familie schuldig fühlt, das ausgelutschte „carpe diem“, das über Lexi und Trevor schwebt und zum Ende hin zu kitschig für meinen Geschmack wird, die homophoben Angriffe auf Rusty und das Geheimnis hinter dem Feuer.

In meinen Augen ist das Buch absehbar und kommt mit Denkanstößen daher, die man bereits zu oft gelesen hat und die deswegen an Bedeutungskraft verlieren: niemand ist schuld an einem Unfall, Leb die Sekunde, das Leben hat immer eine Überraschung parat, die Wege des Herrn sind unergründlich …

Shaun David Hutchinson ist mit diesem Roman ein eindrucksvolles Jugendbuch über Trauer und Tod gelungen. Obwohl man sich hier eine Liebesgeschichte erhofft, kann das Buch so viel mehr und wagt es, in tiefe Abgründe zu blicken. Obwohl die Geschichte wenig Überraschungen bietet, hat mir das Buch um Ganzen gefallen und ich kann es Fans von „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ empfehlen.

        

Weitere Bücher des Autors

(*) markierte Links sind affiliate Links von Amazon

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.